Wie sich die Trocknungszeit auf die Wohnqualität auswirkt

Abbildung 1: Massivhäuser müssen vor dem ersten Bezug ausreichend trocknen.

Früher stand der Rohbau monatelang und musste austrocknen, bevor die Eigentümer einziehen konnten. Heute ist die Trockenzeit extrem kurz geworden, Bauherren ziehen ein, sobald der letzte Handwerker sein Werkzeug eingepackt hat. Je nach Bauweise kann das auch durchaus sinnvoll sein. Wenn allerdings noch Feuchtigkeit im Rohbau steckt, wenn die weiteren Arbeiten fertiggestellt werden, kann das unangenehme Folgen haben. Wer den frischen Putz und Estrich nicht systematisch trocknet mit Heizen und Lüften, muss später damit rechnen, dass sich Schimmel im Haus bildet. Grund für die Eile ist meist das Geld. Viele Bauherren können es sich einfach nicht leisten, den Bau zu lange stehen zu lassen und nach der Fertigstellung noch lange Miete zu zahlen.

Langlebige Massivhäuser müssen gründlich trocknen

Bei der Leicht- oder Trockenbauweise, die vor allem bei Fertighäusern anzutreffen ist, zeichnet sich die Konstruktion durch ein geringes Gewicht aus. Die Vorteile liegen darin, dass Kosten und Energieaufwand gering bleiben, die Aufbauzeit ist kurz. Das Holzhaus ist ein typisches Haus in Leichtbauweise. Holzständerbau oder Holzrahmenbauweise sind in diesem Zusammenhang gängige Begriffe. Dabei bilden Holzbalken das Grundgerüst des Hauses wie ein Skelett. Die Verkleidung mit Holzplanken geht schnell und macht es möglich ein Haus in kürzester Zeit zu errichten. Es kommen keine feuchten Baumaterialien, wie Beton und Zement, zum Einsatz. Dadurch entfällt hier die Trockenzeit. Demgegenüber steht die Massivbauweise. Aufwand und Bauzeit sind durch die verwendeten Baustoffe, wie Beton und Ziegelsteine, höher. Der Vorteil von Massivhäusern ist deren Langlebigkeit.

Abbildung 2: Bei der Leicht- oder Trockenbauweise ist keine Trockenzeit notwendig. Die verwendeten Materialien enthalten nur wenig Feuchtigkeit.

Die Feuchtigkeit aus dem Haus heizen und lüften

Das leere Haus sollte für wenigstens zwei Wochen beheizt und gut gelüftet werden. Dazu ist es notwendig, drei- bis viermal pro Tag stoß- und querzulüften. Während dieser kurzen Zeit kann auf diese Weise sehr viel Luft ausgetauscht werden. Wer in dieser Phase Energie sparen will, sollte auf keinen Fall die Fenster in ständiger Kippstellung lassen. Der Luftaustausch ist auf diese Weise fast gleich null. Aber Innenwände und Fußböden kühlen aus, was dazu führt, dass die Feuchtigkeit im Bau bleibt. Dort wird sie zum Nährboden für Schimmel. Wichtig: Lüften sollte nur an Tagen erfolgen, an denen die Luftfeuchtigkeit draußen geringer ist als drinnen. Bei nassem Wetter bleiben die Fenster besser zu.

Bautrockner als Unterstützung

Spezielle Bautrockner und Luftentfeuchter können diesen Prozess beschleunigen. Allerdings kann das bei der Nutzung von Baustrom teuer werden. Bauherren sollten maßvoll mit diesem Instrument umgehen. Denn auch eine zu trockene Luft ist nicht gut für die Gesundheit. Der richtige Grad an Luftfeuchtigkeit ist bei 50 bis 60 Prozent erreicht. Weniger sollte es nicht sein, denn das verursacht bei vielen ebenfalls gesundheitliche Probleme und erhöht die Infektanfälligkeit.

Im besten Fall kontrolliert ein Experte die Feuchtigkeit. Estrich sollte den richtigen Trocknungsgrad haben, bevor der Bodenbelag draufkommt. In der Fachsprache ist dann die Rede von Belegreife. Hier ist eine CM-Messung sinnvoll. Sollen dampfdiffusionssperrende Bodenbeläge verwendet werden, ist diese Messung sogar Vorschrift. Inwieweit der Putz schon getrocknet ist, können Bauherren mit normalen Feuchtigkeitsmessern selbst überprüfen.

Wie lange muss der Neubau trocknen?

Ein Neubau braucht drei Heizperioden, bis er richtig ausgetrocknet ist. Während dieser Zeit entstehen meistens viele kleine Risse überall im Haus, beispielsweise im Boden, den Wänden, neben den Fenstern oder auch in den Fliesen. Grund dafür ist in den meisten Fällen Schwund durch das Trocknen von Putz und Estrich. Diese Risse sind harmlos und lassen sich leicht ausbessern. In den ersten drei Jahren sollten Bauherren die Außenwände nicht mit Möbeln zustellen. Denn die Restfeuchtigkeit kann hinter den Möbeln nicht richtig ablüften und trocknen. Dort besteht erhöhte Schimmelgefahr.

Dachschrägen besonders gefährdet

In einem Bad unter der Dachschräge lässt sich die Feuchtigkeit nur schwer verhindern. Feuchtigkeit steigt beim Duschen nach oben und kondensiert am Dachfenster, läuft am Fenster herunter und sickert unterhalb des Fensters unter Umständen in die Gipskartonplatten. Das führt unweigerlich zu Schimmel und Stockflecken. Hier hilft es, konsequent zu lüften und die Feuchtigkeit abzuwischen. Ein Kunststoffprofil an der Laibung des Dachfensters lässt sich leichter abwischen.

Aber nicht nur die Dachschräge ist gefährdet, auch Ankleidezimmer haben es in sich. Die meist kleinen Räume haben kein Fenster und sind nur schwer zu lüften. Wenn dann die Kleider direkt an der Außenwand hängen oder wenn Schränke dort stehen, verhindert dies, dass die Wände trocknen können.

Auch in der Küche kann sich die Restfeuchte in der Raumluft mit Kochdunst aufaddieren. Hier setzt sich die Feuchtigkeit vor allem an den unteren Fensterpartien ab. Wenn sie dort keiner bemerkt und wegwischt, ist das der ideale Herd für Schimmel.

Abbildung 3: Kondenswasser an den Fenstern in Bad und Küche kann ebenfalls zu Schimmelschäden führen, wenn die Feuchtigkeit beispielsweise in die Wand eindringen kann. Hier ist es wichtig, nicht nur gründlich zu lüften, sondern auch die Feuchtigkeit manuell zu entfernen.

Und was ist mit der Lüftungsanlage?

Es ist notwendig, ein bewohntes Haus oder eine Wohnung regelmäßig zu lüften, denn auch menschliche Ausdünstungen enthalten viel Feuchtigkeit. Das Lüften übernimmt heute in vielen Neubauten die kontrollierte Wohnungslüftung. Allerdings ist es nicht sinnvoll, die Lüftungsanlage zu benutzen, um Estrich und Putz zu trocknen. Der in der Luft enthaltene Staub und Schmutz würde die Lüftungsrohre der Lüftungsanlage verschmutzen. Deshalb ist es während der Bauzeit wichtig, regelmäßig von Hand zu lüften. Dabei gilt: Lieber einmal zu viel als zu wenig lüften. Das richtige Maß an Trocknung wissen Bauherren nach einiger Zeit, wenn sie ihr Haus ein wenig besser kennengelernt haben.